Menschen und ihr Letzter Wille – Beispiele

Was uns formt und wichtig ist – das ist oft Ergebnis unserer ganz persönlichen Lebens-geschichte. Historische Ereignisse oder Katastrophen hinterlassen Spuren. Schwere Zeiten oder Krankheiten prägen uns, genau wie besondere Begegnungen oder Momente, in denen das Glück auf unserer Seite ist. Was bleibt, wenn wir nicht mehr da sind? Im Blick: Menschen, die mit einem Testament dafür gesorgt haben, dass ihre Werte auch nach ihrem Leben Bestand haben werden.

Ärzte ohne Grenzen e. V.

Irmgard Lederer hat selbst schwere Schicksalsschläge erlebt. Sich für andere einzusetzen wurde für die Stuttgarterin auch deshalb zur Herzensangelegenheit. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner entschied sie sich 2007, Ärzte ohne Grenzen in ihrem Testament zu bedenken. Ihr Erbe soll einmal Menschen zugutekommen, die es wirklich brauchen. Ihre Entscheidung stimmt beide sicher und zuversichtlich: „Mit unserer Unterstützung rettet Ärzte ohne Grenzen in der Tat Leben.“

DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V.

Franziska Kimpfler bewies schon als junge Frau Rückgrat im NS-Widerstand. Auch später kämpfte sie aufrecht für ihre Überzeugungen. Ihr Mann Josef gab ihr die Kraft, sich ein Leben lang für andere starkzumachen – im Beruf und Ehrenamt, vor der eigenen Haustür und in entfernten Ländern. Eigene Kinder wünschten sich die beiden vergebens. Zu ihren Erben bestimmten sie u. a. die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. Ihr Erbe hilft nun ganz konkret: Franziska und Josef Kimpfler schenkten Kindern und Jugendlichen in Afrika eine bessere Zukunft.

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V.

Heike von Lützau-Hohlbein hat das Vergessen in der Familie erlebt. Mutter, Tante und Schwieger-mutter erkrankten an Demenz. Anlass für die Wahlmünchenerin, sich aktiv in der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zu engagieren. Seit 25 Jahren ist sie für ihr Ehrenamt viel unterwegs. Damit die Selbsthil-feorganisation langfristig finanziell unabhängig arbeiten kann, gründete Heike von Lützau-Hohlbein die Deutsche Alzheimer Stiftung. „Ich wollte einen Anfang machen und andere Unterstützer motivieren“, sagt sie. Mit Erfolg. Viele Menschen haben seither die Deutsche Alzheimer Gesellschaft in ihrem Testament bedacht.

Deutsche Herzstiftung e. V.

Irene Masch-Modrow verlor erst ihren Vater, später auch ihren Mann überraschend. Der plötzliche Herztod riss beide unerwartet aus dem Leben. Etwa 200.000 Menschen in Deutschland trifft es jedes Jahr. Bekannt ist über den sogenannten Sekundentod aber viel zu wenig. Für Irene Masch-Modrow war das der Anlass, ihr Vermögen der Deutschen Herzstiftung zu hinterlassen. Sie wollte die Erforschung des plötzlichen Herzstillstands fördern. Über ihren Tod hinaus hilft sie damit, Leben zu retten.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Dr. Ursula Keudel widmete ihr Leben dem Pflegen und Bewahren – ob in ihrer Tätigkeit als Ärztin oder in ihrem Engagement für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Der Einzelne und seine Leistungen verdienen Achtung, davon war sie überzeugt: „Jedes Denkmal erzählt eine Geschichte. Es zu bewahren, ist gelebter Respekt – und ein Geschenk an die Zukunft.“ Auch ihr Letzter Wille bewahrt gebaute Kulturschätze – sie machte die Stiftung, die sie über viele Jahre unterstützt hat, zu ihrem Erben.

Greenpeace e. V.

Hartmut Ludwig und Edeltraut Rappold-Ludwig haben sich entschieden: Über 25 Jahre schon fördern sie den Schutz unserer Erde. Jetzt, mit Ende 60, haben sie ihr Testament verfasst und darin auch Greenpeace bedacht. Hartmut Ludwig findet klare Worte: „Wir plündern den Planeten schamlos aus. Da schließe ich uns mit ein, denn wir leben sehr gut. Wir selbst haben keine Kinder – ein Erbe für den guten Zweck ist eine gute Idee. So kann ich sicher sein, dass die Umwelt profitiert.“

Heinz Sielmann Stiftung

Dr. Gerhard Raydt ist begeistert. Auf einer Reise zu Sielmanns Biotopverbund Bodensee überzeugte er sich persönlich, wie erfolgreich seine Spenden für den Naturschutz und den Erhalt heimischer Tiere und Pflanzen eingesetzt werden. Bereits seit vielen Jahren fördert der Naturfreund die Heinz Sielmann Stiftung – und möchte dies auch weiterhin tun. In seinem Testament hat er deshalb die Stiftung bedacht. „Ich erachte das als besonders wirksame Investition in eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder und Enkel.“

Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.

Barbara Graf* liebt ihre Unabhängigkeit und lange Spaziergänge. Sie ist 69 Jahre alt, lebt in Berlin. Kinder hat sie keine. Braucht sie Hilfe, ist die Johanniter-Unfall-Hilfe für sie da – jederzeit, dank des Hausnotrufs sogar auf Knopfdruck. Die stets warmherzige Art der Mitarbeiter schätzt sie sehr. In ihrem Testament hat sie die Johanniter zum Alleinerben benannt. „Ich habe nicht nur Gewissheit, dass sie alles in meinem Sinne regeln. Mit meinem Nachlass unterstütze ich die Pflege und Betreuung älterer Menschen in Berlin. Ich freue mich, dass ich auf diesem Weg etwas zurückgeben kann.“ *Name geändert

Stiftung Menschen für Menschen

Marita Nolde* hatte Glück im Leben. Gefehlt hat es der 73-Jährigen an nichts, auch jetzt im Alter geht es ihr gut. Ihre große Leidenschaft: Fernreisen. In Afrika südlich der Sahara sah sie die Not und den riesigen Bedarf an Unterstützung mit eigenen Augen. Seitdem begleitet sie Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe als Spenderin. „Es liegt mir am Herzen, den Fortgang dieses wunderbaren Werks auch über meinen Tod hinaus zu sichern.“ Ihr Testament hat sie bereits aufgesetzt. *Name geändert

SOS-Kinderdörfer weltweit e. V.

Sabina Zaler war energisch und lebenshungrig. Ihr Leben lang versuchte sie nachzuholen, was ihr genommen worden war, im Ghetto Krakau, im KZ in Auschwitz. Als der Krieg vorbei war, war sie 17. Wie macht man danach weiter? Sabina suchte schnell das Leben. Heirat, Kind, Beruf. Krakau, Israel, Berlin. Ihr Antrieb: Tochter Maria. Doch mitten im Abitur starb Maria unerwartet. Sabinas Welt brach erneut zusammen. Nach außen weiter stark, war sie nicht mehr sie selbst. Mit ihrem Erbe wollte Sabina Zaler Gutes tun: „Kinder brauchen Schutz und in den SOS-Kinderdörfern bekommen sie diesen.“ Nun entsteht in Israel ein ganzes SOS-Familienhaus. Es wird den Namen ihrer Tochter tragen.

Vier Pfoten – Stiftung für Tierschutz

Elfriede und Gertraud Blätterbinder verbindet mehr als der gleiche Nachname. Seit Kindertagen liegen den Schwestern Tiere sehr am Herzen. Von VIER PFOTEN erfuhren sie, dass es Tierleid gibt, von dem sie bis dahin nichts ahnten. Großzügig unterstützen sie die Tierschutzorganisation schon seit Jahren. Und da sie selbst keine Kinder haben, werden sie auch ihren Nachlass dem Tierschutz widmen. „Wir sind froh darüber, unseren Nachlass in guten Händen zu wissen.“

Deutsche Welthungerhilfe e. V.

Roland Gingold liegt das Schicksal der Kinder in Mosambik besonders am Herzen. Das Land ist bitterarm, viele Mädchen werden als Haushaltshilfen verkauft oder zur Prostitution gezwungen.
Um das zu verhindern, fördert Roland Gingold seit vielen Jahren die Ausbildung der Kinder in einem Waisenhaus. Eigene Nachkommen hat er nicht. Damit sein Vermögen nicht an den Staat fällt, entschloss er sich dazu, die Welthungerhilfe als Erbin einzusetzen. „Nun bin ich sicher, dass meine Ideale über viele Generationen fortbestehen.“

World Vision Deutschland e. V.

Monika Kuznierz hat die Welt bereist. Im Senegal, in Gambia, Kenia und Tansania traf die heute 72-Jährige Kinder, deren Notlage sie gut nachempfinden konnte. Als Flüchtlingskind hat sie selbst früh erfahren, was Hunger und Armut bedeuten. Nach dem Tod ihres Mannes entschied sie sich, eine Kinderpatenschaft bei World Vision zu übernehmen. Es sollte nicht die einzige bleiben. Noch mehr Kinder in Not sollen von ihrem Erbe zugunsten von World Vision profitieren. „Ich möchte ihnen eine bessere Zukunft ermöglichen“, sagt sie.

Allen, die mehr über die Nachlassgestaltung für den guten Zweck erfahren wollen, bietet die Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“ Information und Inspiration.

Für die Presse